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"Nimm's nicht hin!" 5 Fragen an... Holger Wicht (Deutsche AIDS-Hilfe)

May 21, 2018

HIV-positiv zu sein, ist heute kein Problem mehr, richtig? Falsch! Denn die Stigmatisierung und Ausgrenzung, die viele Positive im Alltag immer noch erfahren, ist ein großes Problem. Alte Ängste und Vorurteile sitzen tief. Deswegen hat die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) jetzt ein Internetportal geschaffen, das Diskriminierung entgegenwirken soll, indem es aufklärt und Betroffenen Hilfe anbietet. Wir haben mit Holger Wicht, dem Pressesprecher der DAH darüber gesprochen.

 

EIE: Hallo Holger, die Deutsche AIDS-Hilfe hat gerade das Internetportal hiv-diskriminierung.de gestartet. Warum?

HW: "Weil Menschen mit HIV immer noch Diskriminierung erleben. Die Seite klärt über Rechte auf und erläutert, wie man sich wehren kann. Motto: „Nimm’s nicht hin!“ Wer wegen einer HIV-Infektion diskriminiert wurde, kann uns außerdem direkt über die Seite melden, was passiert ist, auf Wunsch auch anonym. So können wir, wenn gewünscht, Unterstützung leisten und gewinnen wichtige Erkenntnisse für unsere Anti-Diskriminierungsarbeit."

"Ausgrenzung und Abwertung sind verletzend
und können krankmachen."

Welche Art von Diskriminierung erleben HIV-positive Menschen denn?

"Das Spektrum ist breit. Es beginnt mit dummen Sprüchen wie "Wie kann man sich denn heute noch infizieren?" oder "Selbst schuld!". Das kann in der Familie passieren, im Freundeskreis, oder auf Facebook. Am Arbeitsplatz denken Vorgesetzte oder Kolleg*innen nicht selten, HIV-positive Menschen seien nicht mehr leistungsfähig. Was natürlich falsch ist. Manche gehen auf Abstand, weil sie Angst haben, sie könnten sich irgendwie im Alltag infizieren. Was erst Recht unbegründet ist. So etwas kann dann zu Zurückweisung führen – manchmal bis zur Kündigung."

 

Wo findet die Diskriminierung am häufigsten statt?

"Erstaunlicherweise im Gesundheitswesen – wo sich die Leute ja eigentlich am besten auskennen sollten. Besonders häufig hören wir, dass HIV-Positive in Zahnarztpraxen abgewiesen wurden oder nur den letzten Termin am Tag bekommen, weil man ja angeblich nach ihrem Besuch alles besonders gründlich desinfizieren müsse. In Krankenhäusern wird manchmal der Datenschutz verletzt, etwa wenn Patientenakten von HIV-Patient*innen von außen gekennzeichnet werden. Oder sie bekommen gleich eine eigene Toilette zugewiesen. In manchen Kureinrichtungen wird man aufgefordert, in Gruppenangeboten seine HIV-Infektion nicht zu thematisieren. Wir haben auch schon gemeldet bekommen, dass jemand bei einer Kur nicht am Korbflechtkurs teilnehmen durfte, weil eine Infektionsgefahr für andere bestehe. Es ist wirklich absurd."

 

Das ist schon krass. Was bedeutet sowas für Menschen mit HIV?

"Sagen wir mal so: Mit HIV kann man heute zum Glück lange und gut leben – wie andere Menschen auch. Diskriminierung und die Angst davor machen einem das Leben dann wieder schwer. Ausgrenzung und Abwertung sind verletzend und können krankmachen. Manche Menschen gehen nach Diskriminierungserfahrungen nicht mehr zum Arzt, um weiteren negativen Erfahrungen aus dem Weg zu gehen."

 

Letzte Frage: Was tut man am besten gegen Diskriminierung?

"Manchmal hilft ein aufklärendes Gespräch, manchmal eine formale Beschwerde, und manchmal ist eine Klage sinnvoll, zum Beispiel bei einer Kündigung. Wir leisten dabei gerne Unterstützung. Die Deutsche AIDS-Hilfe versucht außerdem, Diskriminierung vorzubeugen. Zum Beispiel haben wir in Kooperation mit der Bundeszahnärztekammer Schulungsmaterial für die Angestellten in Zahnarztpraxen erstellt. Wir empfehlen in jedem Fall, Diskriminierung nicht auf sich beruhen zu lassen. Im Zweifel meldet euch bei uns – wir schauen dann gemeinsam, was wir tun können!"

 

Danke Holger, dass du dir die Zeit genommen hast.

"Ich danke euch!"

 

Hier geht's direkt zur Webseite:

 

 

 

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