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"Es ist 2018! Leb dein Leben!"

April 13, 2018

Beim Wettbewerb zum Mr. GAY GERMANY werden mehr als nur hübsche Gesichter und trainierte Bodys gesucht. Einer der Top-8-Finalisten aus dem letzten Jahr ist Jan Holzschneider, Automobilkaufmann aus Hann. Münden (Niedersachsen). Er stellte sich mit 25 Jahren als zukünftiger Repräsentant der LGBT-Community in Deutschland zur Wahl. Gewonnen hat er nicht - zumindest nicht den Wettbewerb. Seine Vorbildfunktion nimmt er weiterhin wahr. Denn er möchte junge Menschen in Dörfern und Kleinstädten beim Coming-out-Prozess unterstützen. Wie er das anstellen will, wollten wir von ihm wissen und trafen den smarten Kerl zum Interview. 

Hey Jan, Du hast im vergangenen Jahr beim Wettbewerb zum „Mr. Gay Germany“ mitgemacht. Wie sehr steht denn da eigentlich das soziale Engagement im Vordergrund und wer oder was hat dich dazu bewegt, daran teilzunehmen?
"Eigentlich bin ich durch einen Zufall auf diesen Wettbewerb aufmerksam geworden. Freunde von mir meinten 'Hey Jan, es gibt da einen Wettbewerb im LGBT-Bereich, das wär doch was für dich!' Ja und dann dachte ich, warum nicht und hab mich beworben und wurde schlussendlich auch angenommen." 

 

Wie lief das Procedere dann dort ab?
"Naja, zuerst mussten wir mehrere Aufgaben erfüllen, zum Beispiel eine Kampagne entwickeln, mit der wir Menschen in der LGBT*-Community helfen könnten. Mich interessierte dabei sehr, Jugendlichen auf Ihrem Weg beim Coming-out zu helfen, also war das genau das Richtige für mich. Ich erhalte ja immer wieder Nachrichten, in denen sich gerade viele junge Menschen bei mir für mein Engagement bedanken."

"Ich möchte junge Menschen in Dörfern ansprechen."

Wofür genau bedanken sie sich denn?

"Mit meiner Kampagne "Come Out - Live Proud“ möchte ich ja besonders junge Menschen in kleineren Dörfern und Kleinstädten ansprechen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es gerade dort ist, sich als LGBT* zu outen. Dort herrscht weitestgehend immer noch ein sehr konservatives Familienbild von Mutter, Vater, Kind. Die Zuschriften, die ich erhalte sind sehr oft süße Dankesnachrichten, z.B. darüber wie jungen Menschen damit geholfen wird, dass endlich mal dieses Thema angesprochen wird. Es gibt schlicht zu wenig Erklärung und zu wenig Aufklärung. Zu wenig Anlaufstellen für junge Menschen. Es gibt ja in den kleineren Ortschaften einfach keinen Anlaufpunkt, wohin sich Jugendliche - aber auch Erwachsene - wenden können. Alle reden immer von zunehmender Gleichberechtigung aber wie schwer es gerade in ländlichen Gegenden ist, wird oft einfach verschwiegen."

Wo schreiben dich die Menschen denn an?

"Oft auf Facebook oder Instagram. Dabei geht es um Fragen zu den unterschiedlichsten Themen. Ich versuche natürlich dann immer so gut ich kann zu helfen und Ihnen zu erklären, dass es total okay ist schwul, lesbisch, bi oder trans* zu sein."

 

Lass uns mal über dein eigenes Coming-out reden. Wie war das eigentlich?

"Mein Coming-Out verlief recht schwierig. In meinem Freundeskreis hatte ich keine Probleme mich zu outen, aber innerhalb der Familie wurde es damals wirklich sehr schwer aufgenommen und es dauerte lange, bis sie es akzeptierten. Heute ist es viel besser, da ich mit viel Überzeugungskraft gezeigt habe, dass ich immer noch derselbe Mensch bin."

 

Und heute hilfst du sogar jungen Menschen. Das ist doch vorbildlich. Wie geht’s denn jetzt weiter?

"Jetzt will ich wieder eine Aktion starten - diesmal sichtbar auf der Straße! Am 2. Juni 2018 habe ich mir für meine Stadt Hann. Münden etwas ausgedacht. Da findet der jährliche Kirmesumzug statt und dort werden immer viele Menschen erwartet. Genau hier möchte ich ansetzen. Ich habe schon eine recht große Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengetrommelt, die es toll finden, für Akzeptanz auf die Straße zu gehen."

"Wir sind da und verstecken uns nicht!"

So eine Art CSD-Wagen? Oder was habt ihr genau geplant?

"Ja, in diese Richtung… Wir wollen einen eigenen Kirmeswagen bauen, der bunte Freude, Liebe und Zusammenhalt ausstrahlt. Wir werden uns verkleiden und mit Musik den Menschen zeigen 'Hey, wir sind da und verstecken uns nicht!'. 

 

Es gibt noch so viel Aufklärungsbedarf, viele Menschen wissen viel zu wenig über LGBTs. Meine Mitstreiter*innen und ich wollen ihnen auch oder vor allem an diesem Tag die Augen öffnen. Ihnen zeigen, dass es völlig okay ist, schwul oder lesbisch zu sein. Wir haben schwule Politiker, lesbische Lehrerinnen, intersexuelle Sportlerinnen oder transidente Models. Wir leben im Jahr 2018 und jeder Mensch ist doch laut Verfassung vor dem Gesetz gleich. Und da darf es einfach keinen Unterschied geben oder gemacht werden. Wir sind alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes und gehören dazu. Diese Message ist besonders wichtig für junge Menschen, die teilweise wirklich immer noch glauben, sie sind 'the only gay in the village'."

 

 

Nun wirst du an diesem Tag nicht nur junge Menschen, sondern wahrscheinlich den gesamten Ort und damit viele hundert Menschen erreichen. Welche Botschaft möchtest du ganz konkret senden? Hast Du ein Motto?

"Ja! 'ES IST 2018! LEB DEIN LEBEN.' Ich habe lange überlegt, wie ich das Ganze in dieser Pride Saison unterstützen kann und ich bin dann auf diese Idee gekommen. Und das möchte ich jetzt auch gerne durchziehen."

 

Wen konntest du für deine Aktion bisher begeistern? Hast du Unterstützung aus den Nachbargemeinden?

"Meine Gruppe und ich konnten schon fleißig Unterstützung gewinnen. Zum einen möchte uns der CSD Kassel unterstützen, Eltern unserer Gruppenmitglieder werden uns bei der Ausarbeitung helfen und hoffentlich auch ihr von ENOUGH is ENOUGH! Wir sind noch weiterhin fleißig auf der Suche nach weiteren Helfenden für - wie ich finde - eine wirklich super Sache."

"Es gibt schlicht zu wenig Erklärung
und zu wenig Aufklärung.
"

Wie können wir von EiE dir dabei helfen? 
"Ihr von ENOUGH is ENOUGH seid so breit aufgestellt, Ihr erreicht hunderttausende Menschen jeden Tag und unterstützt immer so fleißig verschiedenste Projekte. Ich weiß, dass bei euch auch vieles „hinter den Kulissen“ passiert. Nicht alles landet ja gleich in den sozialen Medien. Die Tschetschenien-Hilfsaktion fand ich wirklich bewundernswert. 

 

Ich denke mal, mit eurer Hilfe, kann unsere Aktion einfach noch toller und breiter aufgezogen werden. Wir möchten von unserem Wagen gerne Dinge verteilen, damit die Leute auch sichtbar etwas in den Händen halten und mit nach Hause nehmen können. So ein STOP HOMOPHOBIA Sticker in unserem Ort an einem Auto kleben zu sehen oder an einer Tür eines Cafés - das sind sehr sichtbare und vor allem wichtige Zeichen! Damit vor allem auch nicht sofort wieder vergessen wird, wofür wir das Ganze machen. Wir sind dankbar über jede Unterstützung. Ich hoffe, dass das hier viele Menschen lesen und sich bei mir melden. Und ich danke euch, dass ich die Chance habe, meine Aktion über eurer Netzwerk vorzustellen." 

 

Wir freuen uns, wenn wir helfen können. Wie können dich die Menschen erreichen, wenn sie dich unterstützen möchten?

"Am einfachsten erreicht man mich per E-Mail unter jan.holzschneider@gmx.de. Jede Hilfe ist sehr gern gesehen."

 

Wir unterstützen natürlich gern und freuen uns, wenn sich noch viele weitere Menschen anschließen! Lieber Jan, viel Erfolg und mach weiter so! 

"Ich danke euch."

 

 

 

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